top of page

Bilanz nach fünf Jahren im Amt: Eilsens Samtgemeindebürgermeister im Interview

EILSEN. Seit fünf Jahren hat Hartmut Krause den Chefposten im Rathaus der Samtgemeinde Eilsen inne. Angetreten war er mit einem breit gefächerten Wahlprogramm. Bei der Bürgermeisterwahl 2026 will Krause erneut kandidieren. Grund, Bilanz zu ziehen: Welche seiner Wahlkampfziele hat er umsetzen können, welche nicht?

PWOXS5TRKBBERAQMTQH7443ACI.jpg.avif

Foto: Michael Werk

Kinder, Gewerbe, Natur, Feuerwehr: Die Themen, mit denen Hartmut Krause vor fünf Jahren bei seiner Kandidatur für das Bürgermeisteramt der Samtgemeinde Eilsen Wahlkampf gemacht hatte, waren breit gefächert. Angetreten war er als parteiloser Kandidat mit Unterstützung der CDU, der WiB und der WGH. Mit einem Vorsprung von 59 Wählerstimmen vor seinem von der SPD aufgestellten Konkurrenten schaffte Krause damals den Sprung ins Rathaus: Seit Herbst 2021 ist er Samtgemeindebürgermeister.

Bei der Bürgermeisterwahl am 13. September 2026 will Krause erneut für diesen Posten kandidieren – nun für eine Amtszeit von acht Jahren. Grund, Bilanz zu ziehen: Welche seiner Wahlkampfziele hat er umsetzen können, welche nicht?

Herr Krause, ein wichtiges Thema waren Ihnen die Kindertagesstätten. Wie bewerten Sie das Angebot in der Samtgemeinde Eilsen? 

Krause: Wir haben kaum Kinder auf den Wartelisten, was erfreulich ist. Zwei Kindertagesstätten sind ja in kirchlicher Trägerschaft. Und durch den neuen Waldkindergarten in Elternträgerschaft und die beiden privaten Kindertagesstätten in Luhden, die wir finanziell unterstützen, haben wir spürbar eine Entlastung erfahren. Alles zusammen haben wir viel erreicht. 

Bräuchte es auch noch eine konfessionslose Kindertagesstätte? 

Wir haben ja den Waldkindergarten. Zwischendurch haben wir zwar immer wieder geplant, ob wir noch einen dritten oder vierten Kindergarten einrichten, aber die Geburtszahlen sind nicht so, dass die Kinderzahlen steigen. Wir gehen davon aus, dass unsere aktuellen Plätze erstmal ausreichen. 

Und wenn die Betreuung im Hort durch die Ganztagsschule abgelöst wird, wollen wir in der Horteinrichtung stattdessen eine Kindergartengruppe, eine Integrationsgruppe, schaffen. Das sind dann zusätzlich 18 Plätze. Ich denke, damit werden wir den den Bedarf relativ gut abdecken.

Ganztagsplatz für alle Kinder ab 2027/28?

Sie hatten gefordert, die Einführung der Ganztagsschule sei schnellstmöglich zu realisieren. 

Das läuft ja jetzt ja gerade. Ich hätte es gerne gehabt, dass wir schon in diesem Jahr zum Schuljahresbeginn komplett fertig werden würden. Sodass wir die Ganztagsbetreuung also nicht erst nur für die Jahrgangsstufe eins, sondern gleich für die Jahrgangsstufen eins bis vier hätten anbieten können. Aber leider ist das Ganze nicht so gelaufen, wie wir uns das vorgestellt hatten. 

Woran lag das? 

An der Planung, Altlasten und anderen Gründen: 2024 hieß es, wenn alles gut läuft, könnten wir 2025 Baubeginn haben und ein Jahr später, 2026, mit allem fertig sein. Tatsächlich haben wir erst 2026 mit den Bauarbeiten angefangen und werden hoffentlich nächstes Jahr fertig. 

Und dann wäre es wünschenswert, allen Kindern zum Schuljahresbeginn 2027/2028 einen Ganztagsplatz anbieten zu können. Dieses Ziel ist maßgeblich vom Baufortschritt abhängig.

Aktive Bürgerbeteiligung war ebenfalls ein Thema. Die Bürger, insbesondere junge Leute, sollen in wichtige Entscheidungen stärker einbezogen werden. Was ist in diesem Bereich gelaufen?

Da ist wenig gelaufen, muss ich sagen. Denn wir haben ja am Anfang erst noch Corona-Maßnahmen gehabt. Und dann kamen auch noch viele andere Sachen hinzu. Ich habe zwar keine Bürgermeistersprechstunde, aber ich bin jederzeit erreichbar – man kann mich anrufen oder vorbeikommen, wenn ich im Haus bin.

Vor allem mit der Jugend ins Gespräch zu kommen, ist mir wichtig. In was für einem Format, darüber müssten wir uns aber mit der Jugend austauschen.

Einführung neuer Homepage verzögert

Die von Ihnen als Wahlziel ausgegebene Digitalisierung der Verwaltung ist fortgeschritten?

Wir haben unter anderem ein Dokumentenmanagement in der Verwaltung für die Mitarbeiter. Die Einführung unserer neuen Homepage hat sich jedoch verzögert. Diese soll aber demnächst ans Netz gehen, sodass die Bürger dann auch mehr Online-Services nutzen können. Gewisse Verwaltungsleistungen können die Bürger schon jetzt online erledigen.

Der geforderte Bau eines neuen Bauhofes war ebenfalls ein Thema.

Wir haben die beiden Bauhöfe der Samtgemeinde Eilsen und der Gemeinde Bad Eilsen an einem Standort in Luhden zusammengelegt. Es wurde ein zweckmäßiger Neubau geschaffen. Die Bauphase und Einrichtung des Bauhofes sind sehr gut gelaufen. Ich höre hierzu fast nur Positives von den Mitarbeitern. Synergieeffekte gibt es auch, weil das Personal und die Maschinen/Gerätschaften ganz anders eingesetzt werden können. Der Bauhof ist eine Erfolgsgeschichte.

Pflegefachkräfte verlassen Eilsen

Sie hatten in Ihrem Wahlprogramm betont, die Gewerbebetriebe und Pflegeheime in Eilsen seien wirtschaftlich und als Arbeitgeber sehr wichtig für die Samtgemeinde Eisen. Jetzt ist ein großes Altenheim, die „Residenz Am Harrl“ in Bad Eilsen, geschlossen worden. 

Das zweite Heim sogar. Das „Haus Désirée“ in Ahnsen ist 2025 geschlossen worden. Beide Schließungen haben zur Folge, dass die Fachkräfte hier weggehen. Letztendlich werden aber überall Fachkräfte gesucht, gerade im Pflegebereich. Die Fachkräfte wechseln also von einem Pflegeheim zum anderen. Trotzdem ist es schade, vor allem auch für die Bewohner.

Aber als Kommune kann man nichts dagegen tun. Wie soll man dagegen arbeiten? Dass das „Haus Désirée“ zugemacht wurde und jetzt die „Residenz Am Harrl“, das hat ja unterschiedliche wirtschaftliche Gründe. Da haben die Samtgemeinde oder die Mitgliedsgemeinde keinen Einfluss darauf. 

Der öffentliche Personalverkehr war auch ein Wahlkampfthema. Auf Wunsch sollte geprüft werden, ob ein Anrufbussystem als Ergänzung zum Linienbusverkehr in Eilsen eingeführt werden kann. Wie ist der Sachstand? 

Wir haben mit dem Landkreis Schaumburg Gesprächsrunden hier im Rathaus geführt. Da hat man uns gesagt, es gibt eine Umstellung hinsichtlich des Anrufbussystems, und erklärt, wie dies in den öffentlichen Personennahverkehr integriert wird. Und dieser ist inzwischen ausgebaut worden – unter anderem mit den „Flexbussen“. Da haben wir seitens der Politik gesagt, wir wollen uns das erstmal anschauen, wie das angenommen wird. 

Natürlich ist es immer noch wünschenswert, ein Anrufbussystem aufzubauen, aber das baut sich nicht so schnell auf. Da braucht man viele Ehrenamtliche, die den Anrufbus fahren. Wir werden uns das aber, ich hoffe noch vor der Wahl, nochmal anschauen. Ich habe deswegen schon mit dem Landkreis Schaumburg Kontakt aufgenommen. Es gibt vielleicht auch andere Modelle. Im Auetal zum Beispiel haben sie ja ein Taximodell gewählt.

PV-Anlage für die Grundschule Heeßen

Bis spätestens 2045 muss der Gebäudesektor in Deutschland klimaneutral werden. Welche Pläne gibt es in der Samtgemeinde Eilsen, deren Gebäude klimaneutral zu bekommen? 

Die Transformation müssen wir umsetzen. Dazu gehört, dass wir unsere Liegenschaften so ertüchtigen, dass auf den Gebäuden Fotovoltaikanlagen installiert werden können und auch eine andere Beheizung möglich ist. 

Warum ist in den vergangenen Jahren diesbezüglich noch nichts passiert? 

Weil wir wegen anderer Projekte überhaupt keine Zeit hierfür hatten. Wir haben aber schon Gespräche geführt, zum Beispiel mit den Stadtwerken Schaumburg-Lippe wegen möglicher Kontrakte in diesem Bereich. Wir haben auch mit der Energieagentur Schaumburg gesprochen. Jedoch sind wir noch zu keinem Entschluss gekommen. Bei der Grundschule Heeßen wird eine Fotovoltaikanlage installiert und aktuell über die zukünftige Wärmeversorgung beraten.

In Ihrem Wahlprogrammen haben Sie darauf hingewiesen, wie wichtig Ihnen die Natur in der Samtgemeinde Eilsen ist. Ein Punkt war die geplante weitere Renaturierung der Bückeburger Aue, mit der bereits seit einiger Zeit ein Planungsbüro beauftragt ist. Warum ziehen sich solche Projekte so lange hin? 

Das frage mich auch manchmal. Unter anderem liegt es an den Förderprogrammen, wenn zum Beispiel der Fördermittelgeber wechselt. Dann müssen wieder neue Anträge gestellt werden. Und wenn man sieht, was da für eine Wust an Anträgen erforderlich ist, um überhaupt in die praktische Phase zu kommen … – das Planungsbüro ist auch schon verzweifelt. Das ist Wahnsinn, die Bürokratie ist da einfach viel zu groß.

Synergieeffekte durch Feuerwehr-Fusion?

Für die Freiwilligen Feuerwehren in Eilsen sollte ein Bedarfsplan erstellt werden. Ist dieser schon in Auftrag gegeben worden? 

Ja. Die ersten Abstimmungsgespräche werden in den nächsten Wochen erfolgen. Dann wird zunächst der Ist-Zustand aufgenommen, danach ein konkreter Plan erstellt, wie die Ortsfeuerwehren in Zukunft aufgestellt werden können.

Zu klären ist, ob man durch eine Fusion Synergieeffekte einfahren kann. Unsere Feuerwehrhäuser haben einen erheblichen Renovierungs- beziehungsweise Sanierungsbedarf. Die Frage ist auch, ob die Feuerwehrhäuser überhaupt noch heutigen Anforderungen entsprechen.

Hintergrund ist die geringe Tagesverfügbarkeit der vier Ortsfeuerwehren. 

Dieses Problem haben viele Feuerwehren im Landkreis Schaumburg – oder genauer gesagt: überall. Sicherlich, hier in Eilsen haben wir eine hohe Brandlast durch die vielen Pflegeheime und die beiden Reha-Kliniken. Die Ortsfeuerwehren sind aber so organisiert, dass sie im Einsatzfall tagsüber einfach alle vier Feuerwehren heranziehen. 

Sie hatten sich die Schaffung eines Baulückenkatasters zur schnelleren Vermarktung etwaiger freier Grundstücke vorgenommen.

Ja, das habe ich hier in der Verwaltung versucht anzuschieben. Es ist aber schwierig. Wir schreiben kontinuierlich Grundstückseigentümer an, ob wir ihre Daten weitergeben können. Aber viele wollen nicht genannt werden, weil sie ihre Baugrundstücke nicht veräußern wollen. Das ist das Problem.

Gewerbetreibender plant Projekt in Eilsen

Sie wollten auch die Attraktivität der Samtgemeinde Eilsen für Gewerbetreibende fördern. Was haben Sie bislang unternommen? 

Wir führen Gespräche mit Gewerbetreibenden. Und wir haben immer wieder Anfragen und versuchen, Gewerbeflächen für die Anfragen zu generieren. Gerade stehen wir mit einem Gewerbetreibenden in Verhandlung, der hier was Tolles errichten möchte. Wir haben jedoch nur ein großes Gewerbegebiet in Luhden. Dort sind inzwischen alle gemeindeeigenen Grundstücke verkauft. Frei sind da jetzt nur noch in Privateigentum stehende Grundstücke, die Eigentümer möchten aber nicht verkaufen. 

Wir hätten in einer Mitgliedsgemeinde eventuell eine Option, in dieser was zu machen. Da muss man jedoch erstmal sehen, ob der Gemeinderat mitmacht und ob die Bevölkerung dann auch mitgeht. Die Samtgemeinde Eilsen selbst hat leider nicht die Möglichkeit, neue Gewerbeflächen auszuweiten, das obliegt nur den Mitgliedsgemeinden. 

Sie bewerben sich bei der Bürgermeisterwahl am 13. September 2026 um eine weitere Amtszeit. Wie sehen Sie die Zukunft der Samtgemeinde Eilsen? Wo wird diese in acht Jahren stehen? 

In acht Jahren werden wir unter anderem die vorgenannten Projekte umgesetzt haben. Das Problem ist halt, dass wir die Haushalte nicht mehr ausgleichen können, weil durch die vielen Investitionen eine hohe Tilgungs- und Zinsbelastung entsteht. 

Ich hoffe, dass nicht so viel von oben auf uns übergestülpt wird, zum Beispiel irgendwelche Programme, die wir dann umsetzen müssen, ohne dass es dafür das erforderliche Geld gibt. Da sind wir auf die Landesregierung und die Bundesregierung angewiesen; die Kommunen müssen entschuldet werden. Die Samtgemeinde selbst hat ja kaum Möglichkeiten, weitere Einnahmen zu generieren. Außerdem müssen wir darauf achten, dass die Mitgliedsgemeinden nicht übergebührend belastet werden.

 

Interview: Michael Werk

bottom of page